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Mitarbeiter im Elisabeth Krankenhaus Recklinghausen bauen Visiere selbst

Elisabeth Krankenhaus Recklinghausen am 09.04.20

Fleißig, fleißig: Norbert Heibel (l.) und Dr. Müller-Klönne zeigen, wie die Visiere hergestellt werden.

Eine schwierige Situation clever genutzt: In Form schneiden, zurechtlegen, zwei Mal tackern und schon ist das Visier fertig. Bereits 50 Exemplare der durchsichtigen Gesichtsmasken hat Norbert Heibel am Elisabeth Krankenhaus Recklinghausen zusammengebaut, damit sich seine Kollegen auf der Intensivstation, im OP und in der Zentralen Notaufnahme zusätzlich zum Mundschutz vor einer Infizierung schützen können. „Arbeitsschutzbekleidung ist im Moment nur schwer zu bekommen, Visiere gibt es im Moment gar nicht, also mussten wie selbst handeln“, erklärt Dr. Oliver Müller-Klönne, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin.

Selbstgenähte Mundschutze dürfen im medizinischen Bereich nicht zum Einsatz kommen, Visiere aus Eigenproduktion bewähren sich auch hier. „Unsere selbstgebastelte Variante ist zwar nicht so hochwertig, aber genauso effektiv wie die herkömmlichen Medizinprodukte und das ist wichtig“, betont Dr. Müller-Klönne. Und so wuchs beim gemeinsamen Überlegen die Idee, Visiere mit einfachen Mitteln aber dennoch effektiv selbst herzustellen. Während der Kollege aus der Technik vorm Baumarkt Schlange stand, um Gummibänder zu besorgen, tüftelte Norbert Heibel mit Fensterdichtung aus Schaumstoff der Firma Strunk aus Datteln und dicker Laminierfolie den ersten Prototyp. Als Kurierfahrer gehört das Tüfteln nicht zu seinen täglich Aufgaben, dennoch hat er Spaß am sinnvollen Basteln gefunden und die Aufgabe gerne übernommen. „Wenn ich damit helfen kann, umso mehr. Wir halten hier alle zusammen“, sagt Norbert Heibel. In wenigen Schritten ist ein Visier fertig. „Für rund 30 Masken haben ich gut zwei Stunden gebraucht.“ Materialpreis: rund 2 bis 2,50 Euro.

Die ersten Exemplare sind verteilt. „Es wird dankend angenommen und viel verwendet“, berichtet Dr. Müller-Klönne. Eingesetzt werden die Visiere vorbeugend bei Verdachtsfällen auf Covid-19 und in Situationen, in denen ein naher Kontakt zum Mund des Patienten herrscht. „Das betrifft bei uns alle, die Patienten intubieren, also eine künstliche Beatmung legen, und wiederbeleben. Die Visiere bieten einen Schutz gegen Aerosole des Patienten“, erklärt Dr. Müller-Klönne. Ein paar Mal kann die durchsichtige Gesichtsmaske desinfiziert und wiederverwendet werden. „Bei Corona-Patienten wird das Visier allerdings nach einmaligen Tragen vorsichtshalber entsorgt, außerdem muss dann eine luftdichte Augenschutzbrille getragen werden“, betont der ärztliche Direktor. Und gerade deshalb sei die selbstgebaute Variante von Vorteil: „Wir können schnell und kostengünstig Nachschub produzieren.“

Und Dr. Müller-Klönne betont vor allem eins: „So ein Visier ist ausschließlich für medizinisches Personal sinnvoll, das direkt am Patienten, also in unmittelbarer Nähe des Mundes arbeitet. Ansonsten braucht man es definitiv nicht, auch nicht wenn man nur im selben Raum ist.“

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