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Schauspieler simulieren psychisch Erkrankte

Realistischere Prüfungen für Studierende

LVR-Klinikum Essen am 29.06.20

Prof. Dr. med. Katja Kölkebeck, Professorin für Psychopathologische Forschung und Oberärztin; Bildrechte: Frank Preuß, Universität Duisburg-Essen

Um Studierende praxisorientierter prüfen zu können, legt die LVR-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) ein neues Lehr- und Prüfungsformat auf. Durch den Einsatz von geschulten Simulationspatienten sollen Prüflinge unter realen Bedingungen beweisen, dass sie Gespräche mit psychisch Erkrankten führen können. Geplant ist, das Format zum Ende des Wintersemesters 2020/21 im Studium der Humanmedizin zu pilotieren und später zu verankern. Es wird im Rahmen des UDE-Förderprogramms „Lehr-Lern-Innovationen“ mit 10.000 Euro gefördert.

„Das Format wird die Qualität von Lehre und Studium in unserem Fach verbessern“, sagt Prof. Dr. Katja Kölkebeck. Die LVR-Oberärztin leitet das neue Projekt im Fach „Psychiatrie und Psychotherapie“, mit dem praktische Kompetenzen von Studierenden der Medizin bewertet werden. Bisher wird Wissen mit Fragenkatalogen getestet. „Dadurch werden vor allem theoretische Wissensstände geprüft“, betont Katja Kölkebeck. Ob Studierende Arztgespräche professionell führen, kann jedoch valider geprüft werden, wenn sie mit Menschen interagieren, die psychische Symptome, Eigenheiten und Emotionen simulieren.

Unklar ist derzeit noch, ob das neue Lehr- und Prüfungsformat via Präsensveranstaltungen umgesetzt werden kann. Mögliche Pandemie-Auflagen könnten dazu führen, dass ausschließlich online geprüft werden darf, zum Beispiel mit simulierten Tele-Sprechstunden.

Prof. Kölkebeck konzipiert Ablauf sowie Prüfungsinhalte und entwickelt Messinstrumente weiter, anhand derer Gesprächsführung und empathische Handlungskompetenz bewertet werden. Die Rekrutierung der Schauspielenden erfolgt mit dem Simulationspatienten-Programm (SPP). Eingesetzt werden Amateure wie Profis, auch von der Folkwang Universität der Künste

„Durch das Format können wir ein weiteres wichtiges Prüfungsszenario aufstellen und einen neuen kommunikativen Schwerpunkt bedienen“, sagt SPP-Leiterin Angelika Hiroko Fritz. Sie hofft, dass in Zukunft noch mehr Fachabteilungen in ihren Lehrplänen praktische Übungen mit Simulationspatienten und OSCE-Prüfungen verankern. OSCE steht für Objective Structured Clinical Evaluation – eine Prüfungsform, bei der nicht nur theoretisches Wissen abgefragt, sondern auch ärztliche Routinen und der Umgang mit Erkrankten bewertet werden.

Über das Simulationspatienten-Programm

Durch das SPP der Medizinischen Fakultät der UDE lernen Studierende im geschützten Raum mit geschulten Schauspielern, wie man mit Patienten kommuniziert. Krankheitsgeschichten erfragen, Empathie zeigen und aufklären: Das SPP hilft werdenden Medizinern, sich besser auf Prüfung und Praxis vorzubereiten. Sie bekommen konstruktives Feedback, dürfen Fehler machen und Szenarien mehrfach durchlaufen. Das SPP gibt es seit 2004 und wird geleitet von Angelika Hiroko Fritz.

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