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Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Klinik für Chirurgie im Klinikum Dortmund geht neue Wege

Klinikum Dortmund gGmbH am 14.07.22

Als Chefarzt ein Sabbatical machen und für ein paar Monate aus dem Kli-nikalltag aussteigen? Was vor Jahrzehnten in der klassisch eher konservativen Medizinwelt noch undenkbar schien, hat der Direktor der Klinik für Chirurgie, Prof. Dr. Maximilian Schmeding, jetzt umgesetzt. Er ging für zwei Monate unbezahlt mit seiner Familie nach Equador. Eine echte Ausnahme in der deutschen Klinik-Landschaft. Das Klinikum Dortmund ist hier einmal mehr Vorreiter. „Das geht natürlich nur, wenn dein Klinik-Team gut aufgestellt ist“, sagt der 47-Jährige, der seit seinem Antritt 2016 als Klinikdirektor dafür bekannt ist, sein Team auf Augenhöhe zu führen. „Ich weiß um den Wunsch einer Work-Life-Balance, gerade beim ärztlichen Nachwuchs, der heute in der Mehrzahl weiblich ist und selbstverständlich auch einen Kinderwunsch hat.“

Eine Umfrage der Ärztegewerkschaft „Hartmannbund“ unter 1.400 Assistenz-Ärzt:innen aus dem Jahr 2019 hatte nämlich ergeben, dass vielen gar nicht die große Karriere wichtig sei. Nur vier Prozent gaben an, Chefärzt:in werden zu wollen. Wesentlich bedeutsamer ist für die Nachwuchskräfte die persönliche Zufriedenheit. Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit steht bei jungen Ärztin-nen und Ärzten ganz oben auf der Prioritätenliste. Auch will der Ärzt:innen- Nachwuchs das eigene Arbeitsumfeld aktiv mitgestalten.

„Aus meiner Anfangszeit als junger Medizinstudent weiß ich, dass es damals noch ganz anders zuging. Da war die Hierarchie strikt, als junger Arzt durfte man da maximal im OP Haken halten, war aber nicht wirklich eingebunden“, erklärt Prof. Schmeding. Deshalb freut sich der Mediziner über die geänderten Ansprüche, die er früher in seiner Ausbildung auch gern bereits eingefordert hätte. „Na-türlich ist es nicht einfach, all das übereinzubringen mit dem, was der Klinik-Alltag und die umfangreiche Ausbildung zum Facharzt mit sich bringt. Wenn jemand als Ärztin oder Arzt auf einer 60 Prozent Stelle arbeitet, also nur drei von fünf Arbeitstagen in der Woche kommt, dauert die Facharztausbildung natürlich in der Regel länger, wir können die Ausbildungsvorgaben ja nicht nach Belieben ändern. Aber auch da finden wir eine Lösung“, sagt Prof. Schmeding.

Der Mediziner hat in vielen Gesprächen mit PJler:innen (Medizinstudierende im praktischen Jahr) und Assistenzärzt:innen ermittelt, wie eine optimale Ausbildung aussehen sollte und mit seinem leitenden Oberarzt Dr. Claudius Jürgens entsprechend ein Konzept erstellt. „Chirurginnen und Chirurgen wollen in den OP, ganz klar. Wir legen aber auch großen Wert darauf, dass die Nachwuchskräfte ganzheitlich auch in das Stations- und Klinik-Management eingebunden werden.“ Natürlich wird dieses Konzept verfeinert und regelmäßig mit dem Klinik-Alltag auf Optimierungen erprobt. „Wir sehen es als Leitbild unseres Tuns und laden jede junge Ärztin und jeden jungen Arzt ein, dies mit uns gemeinsam fortzuentwickeln.“

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