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St. Elisabeth Gruppe testet 4-Tage-Woche

Individuelle Arbeitszeiten für Pflegekräfte

St. Elisabeth Gruppe GmbH am 13. Juli 2023

Mehr Freizeit und eine höhere Arbeitszufriedenheit – bisherige Erfahrungen zur 4-Tage-Woche zeigen vielfältige positive Effekte. Die St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr testet ab Oktober 2023 auf den ersten Stationen verschiedene Arbeitszeitmodelle im Pflegedienst. Die Mitarbeiter dürfen individuell entscheiden, ob sie die 4-Tage-Woche, 4,5-Tage-Woche oder 5-Tage-Woche in Anspruch nehmen. 

Die St. Elisabeth Gruppe testet ab Oktober im Pflegedienst verschiedene Arbeitszeitmodelle.
Die St. Elisabeth Gruppe testet ab Oktober im Pflegedienst verschiedene Arbeitszeitmodelle.

„Wir möchten unseren Mitarbeitern in der Pflege eine maximale Flexibilität ermöglichen, die ihre aktuelle persönliche Lebenssituation berücksichtigt, und so als Arbeitgeber noch attraktiver werden“, betont Dr. Sabine Edlinger, Geschäftsführerin der St. Elisabeth Gruppe. In einer fünfmonatigen Testphase werden auf jeweils einer Station des St. Anna Hospital Herne, Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Marien Hospital Witten und Rheumazentrum Ruhrgebiet Mitarbeitern alle Arbeitszeitmodelle angeboten. In dieser Zeit wird getestet, wie die verschiedenen Arbeitszeitmodelle von den Mitarbeitern angenommen werden und wie die Arbeitsprozesse angepasst werden müssen. „Bei der Planung der verschiedenen Dienste achten wir darauf, dass die Bedürfnisse der Mitarbeiter und der Patienten optimal aufeinander abgestimmt werden“, sagt Marion Schmitz, Gesamtpflegedienstleitung der St. Elisabeth Gruppe.

Die Mitarbeiter können individuell entscheiden, ob sie in einer 4-Tage-Woche, 4,5-Tage-Woche oder 5-Tage-Woche arbeiten möchten. Dabei unterscheidet sich die Wochenstundenzahl und auch die Vergütung nicht. „Die 38,5 Stunden-Woche ist in der Pflege tariflich festgelegt. Somit werden die Arbeitsstunden je nach Modell auf die Arbeitstage aufgeteilt. Mit etwa einem Monat Vorlauf können die Mitarbeiter auch zwischen den Arbeitszeitmodellen wechseln und diese auf sich verändernde Bedürfnisse ausrichten“, erklärt Marion Schmitz.

Mehr Freizeit und intensivere Betreuung der Patienten

Bei den ersten Gesprächen mit den Leitungen und Pflegekräften der Teststationen gab es viel positives Feedback und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. „Ich bin froh, dass meine Station für die Testphase ausgewählt wurde und werde wahrscheinlich die 4,5-Tage-Woche austesten. Das ist für mich eine optimale Kombination, denn ich habe während der Woche mehr Freizeit und trotzdem den Vorteil, dem Stau im Feierabendverkehr zu entgehen, da ich eher frei haben werde als in einer 4-Tage-Woche“, erzählt Verena Hillebrand, Stationsleitung im Marien Hospital Herne, die mit ihrer Station am dem Test der St. Elisabeth Gruppe teilnimmt.

Neben den Mitarbeitern profitieren auch die Patienten: „Durch die verlängerte tägliche Arbeitszeit kann ich meine Patienten längere Zeit am Stück betreuen, was sie und mich freut“, sagt Maurice Kuschel, Pflegekraft im Marien Hospital Herne.

Besonders die jüngeren Mitarbeiter wollen die 4-Tage-Woche testen, um durch die Konzentration der Wochenarbeitsstunden auf vier Tage mehr freie Zeit am Stück zu haben, ohne Urlaub nehmen zu müssen. „Mehr Zeit für meine Freunde und Urlaube sind für mich der ausschlaggebende Punkt, dass ich die 4-Tage-Woche austesten möchte“, erklärt Susanne Agacinska, Pflegefachkraft im St. Anna Hospital Herne, die ein paar Tage überlegt hat, ob sie das Modell testen möchte. „Ich habe dann aber für mich entschieden, dass ich diese Erfahrung selbst sammeln möchte, um so für mich persönlich die Arbeitszeitmodelle bewerten zu können. Ich denke aber, dass ich mich schnell an die Umstellung gewöhnen werde.“

Jennifer Cieslak ist für die Ausbildung aus ihrer Heimat in Mecklenburg-Vorpommern ins Ruhrgebiet gezogen. Für die Pflegefachkraft, die im Marien Hospital Witten arbeitet, rückt die Heimat mit dem neuen Arbeitszeitmodell näher: „Durch die 4-Tage-Woche haben wir 12 Tage im Monat frei. So kann ich meine Familie und Freunde in der Heimat öfter an langen Wochenenden sehen, ohne dafür Urlaub nehmen zu müssen. Deshalb war für mich sofort klar, dass ich an dem Test teilnehmen werde.“

Herausforderung: Dienstplan

Das neue Modell bringt auch neue Herausforderungen mit sich. „Ich bin seit 30 Jahren Stationsleitung und die Dienstplangestaltung fällt mir leicht. Mit der Umstellung auf verschiedene Arbeitszeitmodelle wird dies besonders zu Beginn zur Herausforderung und trotzdem finde ich das Angebot sehr gut“, sagt Elke Schmidt, Stationsleitung im Marien Hospital Witten, und sie ergänzt: „Da der Test zunächst nur auf einzelnen Stationen stattfindet, können wir gemeinsam mit der Pflegedienstleitung die neuen Prozesse erarbeiten und gegebenenfalls aufkommende Herausforderungen lösen.“

Entlastung des Stationsteams und neue Mitarbeiter auf den Stationen

Mit der neuen 4-Tage-Woche werden durch die verschiedenen Schichten auch mehr Pflegekräfte parallel auf den Stationen arbeiten. Das ist für alle ein Gewinn. „Durch die längeren Schichten überschneiden sich besonders Früh- und Spätschicht deutlich länger. So können sich unsere Mitarbeiter gegenseitig entlasten und Ausfälle besser ausgleichen“, erklärt Beate Birkel, Stationsleitung im St. Anna Hospital Herne. Gleichzeitig hat jeder Einzelne mehr Zeit für die Patienten.

Durch die verschiedenen Arbeitszeitmodelle werden auf einer Station aber auch insgesamt mehr Pflegefachkräfte benötigt. „Wir können den erhöhten Personalbedarf gut decken. Die St. Elisabeth Gruppe hat vor rund drei Jahren die Anzahl der Ausbildungsplätze deutlich erhöht und bildet viele junge Menschen aus, die nun die Zahl der Pflegekräfte deutlich erhöhen“, sagt Dr. Sabine Edlinger.

Die Testphase wird im März 2024 abgeschlossen. „Im Anschluss werden wir im engen Austausch mit unseren Mitarbeitern eine Evaluation durchführen. Dann wird auch geschaut, wie die verschiedenen Arbeitszeitmodelle weitergeführt und schnellstmöglich für die Pflege auf allen Stationen eingeführt werden können“, erklärt Dr. Sabine Edlinger.

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