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Telemedizin verbindet: Versorgung zwischen Metropolregion und Hallig

20. Dezember 2023

Mit rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern feierte der Telemedizin Kongress Nord am 13. Dezember 2023 eine gelungene Premiere. Den Kongress veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed) in Kooperation mit der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH zum ersten Mal im virtuellen Format.

Von der Millionenstadt über das Flächenland bis zur Hallig. Norddeutschland prägen sehr vielfältige Wohnstrukturen – eine Herausforderung für die Gesundheitsversorgung, da die Gegebenheiten nicht überall gleich sind. Wie lassen sich Unterschiede in der Gesamtfläche minimieren? Und wie Versorgungsgerechtigkeit in allen Regionen gleichermaßen gewährleisten? Beim Kongress betonten Vertreterinnen und Vertretern der Gesundheitsministerien aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern den zunehmenden Stellenwert von Digitalisierung und Telemedizin. Sowohl innerhalb als auch zwischen den Bundesländern könnten telemedizinische Netzwerke die Versorgung stärken. Innovative Projekte u. a. zur Behandlung von Parkinson, Epilepsie und Rheuma zeigten sich aus allen drei Bundesländern.
„Als DGTelemed möchten wir uns stärker in den Regionen engagieren“, erklärte Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, Vorstandsvorsitzender der DGTelemed, zum Auftakt. „Wir möchten die regionalen Besonderheiten in den Blick nehmen, woraus sich jeweils andere Ansprüche an die Gesundheitsversorgung und an den Einsatz von Telemedizin ergeben.“ DGTelemed-Vorstandsmitglied Dr. med. Franz Bartmann ergänzte: „Norddeutschland hat Flächenländer wie Mecklenburg-Vorpommern mit rund 1,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, von denen sich 70 Menschen den Lebensraum von einem Quadratkilometer teilen. Demgegenüber steht mit einer Bevölkerung von rund 1,9 Millionen der Stadtstaat Hamburg. Hier teilen sich 2.500 Einwohnerinnen und Einwohnern einen Quadratkilometer. Allein dadurch gestaltet sich die Versorgungsplanung ganz anders.“ Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Neeltje van den Berg (ebenfalls Vorstandsmitglied der DGTelemed) hatte Dr. Bartmann den Kongress initiiert und innovative Projekte angesprochen, von denen die Versorgung vor Ort und auch überregional profitiert.

So profitiert die Versorgung…

Mecklenburg-Vorpommern stellte den Fokus auf Akutpädiatrie und Epileptologie. Ein einfacher Zugang zur Gesundheitsversorgung ist für Kinder und Jugendliche enorm wichtig. Entwicklungsstörungen lassen sich über regelmäßige U-Untersuchungen erkennen. Schwerstkranke Kinder benötigen Versorgung aus Spezialzentren, die in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern weit verstreut liegen. Telemedizin erleichtert den Zugang dazu für alle.

Aus Schleswig-Holstein stellte sich ein Projekt zur Behandlung von Parkinson vor. Spezialisierte Behandlung per Videosprechstunde und Online-Therapie ermöglichen einen längeren Verbleib in der Häuslichkeit. Auch die Allgemeinmedizin profitiert hier von digitaler Vernetzung. Per asynchronen Konsilen können sich Hausarztpraxen Rat aus den Spezialdisziplinen holen.

Telemedizin verbindet auch länderübergreifend. Aus Hamburg stellte sich ein telemedizinisches Netzwerk vor, das Krankenhäuser aus Niedersachsen und Hamburg miteinander vernetzt. Die Einrichtungen profitieren von Spezialwissen, das über Telekonsile in die Fläche gelangt.

Bundesländer als wichtige Impulsgeber

Auch wenn sich die Länder hinsichtlich der Flächengröße und Einwohnerdichte unterscheiden, so kann doch letztlich jede Region von Telemedizin profitieren, so die einhellige Meinung aus den beim Kongress vertretenen norddeutschen Gesundheitsministerien. Für den Bund seien die Länder wichtige Impulsgeber und Partner. Sie könnten Netzwerke schaffen, strategische Prozesse moderieren, vor Ort ausprobieren und die Ergebnisse an die Gesetzgebung und Fördermittelgeber zurückspielen. Im Alleingang sei allerdings nicht viel zu machen. Für nachhaltigen Erfolg brauche es die Kooperation und Abstimmung aller Akteure und Länder untereinander. Genau dann könne Telemedizin Brücken schlagen. Gerne möchte die DGTelemed den Dialog auch im kommenden Jahr weiter fortführen.

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