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Innovative Studien der Medizinischen Klinik I

Forschungspreise gewonnen

St. Elisabeth Gruppe GmbH am 18.04.18

Dr. Felix S. Seibert, Oberarzt der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (rechts im Bild), und sein Forschungsteam in der Schwerelosigkeit bei einem Parabelflug.

Die Medizinische Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum kann auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurückblicken: Mit Schwerelosigkeitsforschung, Aussagen über den Weißkittel-Effekt und neuartigen Diagnoseverfahren von Nierenerkrankungen konnten die Herner Mediziner drei Forschungspreise gewinnen.

Bluthochdruckforschung in der Schwerelosigkeit

Die Schwerelosigkeitsstudie von Dr. Felix S. Seibert, Oberarzt der Medizinisch Klinik I, wurde auf dem Jahreskongress der Deutschen Hochdruckliga in der Kategorie „Best of“ ausgezeichnet. Herzinfarkte und Schlaganfälle sind die Haupttodesursache in Industrieländern. Doch wie gefährdet sind Personen, die sich für längere Zeit im Weltall unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit aufhalten? „Bluthochdruck ist hier der wichtigste Risikofaktor. Bei unserem Forschungsexperiment stand jedoch nicht der am Arm gemessene periphere Blutdruck, sondern der sogenannte zentrale Bluthochdruck in der Hauptschlagader im Mittelpunkt“, erklärt Dr. Seibert. Neuere Studien haben gezeigt, dass dieser für die Entstehung von Schlaganfällen relevanter ist als der periphere Blutdruck. „Unsere Experimente sollen erste Einblicke in den Einfluss der Schwerkraft auf den zentralen Bluthochdruck gewähren“, so der Oberarzt. Dazu mussten er und sein Forschungsteam sich nicht gleich ins All begeben: Das Forschungsprojekt fand während mehrerer Parabelflüge statt, die einige Sekunden der Schwerelosigkeit erzeugten. Die Auswertung der Messungen ergab, dass der zentrale Blutdruck in der Schwerelosigkeit bei den Testpersonen ansteigt, was ein erhöhtes Schlaganfallrisiko darstellt. Das innovative Ergebnis kann dafür genutzt werden, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Astronauten besser einzuschätzen und medizinische Untersuchungen während des Aufenthalts in der Schwerelosigkeit zu optimieren.

Studie über den „Weißkittel-Effekt“

Gemeinsam mit Dr. Frederic Bauer, Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik I, erhielt Dr. Seibert auf dem Jahreskongress eine weitere Auszeichnung in der Kategorie „Young Investigator Award“. Die Mediziner hinterfragten die Ergebnisse einer wichtigen amerikanischen Studie über Blutdruckmessungen und Blutdruckziele – der SPRINT-Studie. Diese zeigte für gewisse Bluthochdruckpatienten ein geringeres Risiko zu sterben oder eine bedrohliche Herzschwäche zu erleiden, wenn der Zielwert für den systolischen Blutdruck medikamentös auf 120 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) eingestellt wird und nicht wie bisher auf 140 mmHg. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Timm H. Westhoff, Direktor der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, stellte die Qualität der Aussage auf Grund der Art der Messung und damit die Übertragbarkeit auf den Praxisalltag in Frage. Die Messungen der SPRINT-Studie erfolgten mit einem automatischen Messsystem und teilweise ohne Anwesenheit von Ärzten oder medizinischem Fachpersonal. Damit wurde der sogenannte Weißkitteleffekt, der häufig beobachtet wird, nicht berücksichtigt. Dieser beschreibt, dass Patienten in Anwesenheit von Medizinern nervös sind und dies den Blutdruck ansteigen lässt. Demnach würden unbeaufsichtigte Messungen niedrigere Werte ergeben als die üblichen Messungen in der Praxis, die vom Arzt oder medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden. Deshalb seien die SPRINT-Ergebnisse und Zielblutdruckwerte nicht unmittelbar auf den Praxisalltag übertragbar.

Das Forschungsprojekt von Dr. Bauer und Dr. Seibert zeigte jedoch, dass der Weißkitteleffekt unter Umständen keinen relevanten Einfluss auf die Höhe des Blutdrucks hat. Sie konnten zwar einen Unterschied zwischen den Messergebnissen in verschiedenen Umgebungen bestätigen, jedoch fiel dieser nicht so deutlich aus wie angenommen. Als Grund dafür sehen die Mediziner das bestehende Vertrauensverhältnis zwischen dem Hausarzt und dessen langjährigen Patienten. „Dieses Vertrauen senkt die Aufregung und lässt den Blutdruck nicht so stark ansteigen“, sagt Dr. Seibert. Somit sind die Ergebnisse der SPRINT-Studie auf den Praxisalltag übertragbar. Die Ergebnisse der Studie von Dr. Bauer und Dr. Seibert sind für Risikopatienten mit Bluthochdruck relevant, da der behandelnde Arzt die mögliche Nervosität oder Gelassenheit des Patienten für eine korrekte Blutdruckmessung berücksichtigen muss.

Innovatives Diagnoseverfahren für Nierenerkrankungen

Neben seinen Bluthochdruckforschungen erhielt Dr. Seibert zudem eine Auszeichnung für ein neues Diagnoseverfahren bei Nierenerkrankungen von der Forschungsförderung der Medizinischen Fakultät an der Ruhr-Universität Bochum (FoRUM). Er untersuchte in einer Pilotstudie, ob Nierenerkrankungen in der Atemluft der Patienten nachweisbar sind. Giftstoffe, die bei einer Erkrankung der Niere in den Blutkreislauf abgegeben werden, durchlaufen die Lunge und könnten so im Atem der Betroffenen erkennbar sein. Der Herner Oberarzt entwickelte einen Test, vergleichbar mit einem Alkoholschnelltest, und verglich die Atemluft von Personen mit Nierenerkrankungen mit derer gesunder Probanden. Die Ergebnisse zeigen, dass Unterschiede im Atem bei erkrankten und gesunden Probanden erkennbar sind. Ziel der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Westhoff ist es, dass zukünftig die Diagnose von Nierenerkrankungen schneller erfolgen kann, da keine Blutuntersuchungen mehr notwendig sind.

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