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Keine Angst vor Bohrer und Co.

Zahnarzt operiert bei schweren Fällen im Marien Hospital Witten

Universität Witten/Herdecke am 24.09.18

Mit der mobilen Einheit (vorne rechts im Bild) kann Zahnarzt Torsten Schudlich (r.) seine Patienten im OP des Marien Hospital Witten unter Vollnarkose zahnmedizinisch behandeln.

Zum Zahnarzt geht keiner wirklich gerne – schon bei dem Gedanken an den Geruch oder das Geräusch von Bohrer und Sauger wird einigen flau im Magen. Besonders schwer ist der Gang in die Praxis für Patienten mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Diese werden in einigen Zahnarztpraxen ambulant unter Vollnarkose behandelt. Bei schweren Fällen ist eine ambulante Narkose allerdings zu gefährlich. Die Folge ist, dass diese Patienten nicht adäquat zahnärztlich behandelt werden. Das ändert sich nun durch die Kooperation des Marien Hospital Witten mit der Zahnklinik am Marien Hospital. Dieses Patientenklientel kann nun unter stationären Bedingungen zahnmedizinisch versorgt werden.

„Wir führen zwei Mal im Monat mehrere Behandlungen unter Vollnarkose in unserer Praxis durch. Dabei arbeiten wir viel mit Heimen für Menschen mit Behinderungen zusammen“, erklärt Torsten Schudlich, Leiter der Zahnklinik am Marien Hospital. „Eine ambulante Behandlung heißt aber immer, dass es keine medizinische Nachsorge zuhause gibt. In einigen Fällen ist es daher einfach zu gefährlich, eine ambulante Behandlung unter Vollnarkose durchzuführen. Diesen Patienten mussten wir dann leider absagen“. Ob ein Patient ambulant behandelt werden kann oder nicht, hängt vom Schweregrad der Grunderkrankung, bzw. vom Grad der Behinderung ab. „Bei einem Pflegegrad ab drei aufwärts, bei Schwerst- und Mehrfachbehinderungen sowie bei Grunderkrankungen wie schweren Herzleiden ist ein stationärer Aufenthalt ratsam. Bei einer ambulanten Versorgung ist bei Eintreten eines Notfalles einfach nicht die erforderliche Struktur und das speziell geschulte Personal gegeben, wie es im Krankenhaus zu finden ist“, erklärt Schudlich. Wenn eine ambulante Vollnarkose nicht möglich ist, bleibt den Pateinten entweder gar keine oder eine Behandlung in einer mund-, kiefer- und gesichtschirurgischen Spezialklinik. Dort kann der betroffene Zahn aber nur gezogen, statt anderweitig behandelt zu werden.

Von der Kooperation mit dem Marien Hospital Witten sollen genau diese Patienten nun profitieren. „Die betroffenen Patienten werden bei uns unter stationären Bedingungen zahnmedizinisch behandelt. Wir stellen dabei die Versorgung vor und nach der Narkose und während der Eingriffs sicher und sorgen dafür, dass der Patient gut aufgehoben ist“, erläutert Sebastian Schulz, Mitglied der Geschäftsleitung der St. Elisabeth Gruppe, zu der auch das Marien Hospital Witten gehört. Die zahnärztliche Behandlung wird dabei von Torsten Schudlich und seinem Team der Zahnklinik durchgeführt. Dafür wurde eine spezielle mobile Einheit entwickelt, die im Marien Hospital Witten verbleibt und von OP zu OP bewegt werden kann. „Wir brauchen nur eine Steckdose. Die mobile Einheit beinhaltet alles, was wir für die Behandlung benötigen – wie eine Zahnarztpraxis im Kleinen“, so Schudlich. Unterstützt wird das Zahnarztteam dabei von einem Anästhesisten sowie zwei Anästhesiepflegekräften aus dem Marien Hospital Witten.

Diese Kooperation, die einmalig in Nordrhein-Westfalen ist, besteht seit dem 01. August 2018. Seither wurden zwei Patienten auf diesem Weg behandelt. „Wir haben einen 11-jährigen Jungen, der schwerstbehindert ist, im Rollstuhl sitzt und an Epilepsie und Asthma leidet, auf diese Weise behandeln können, was in der Praxis nicht möglich gewesen wäre. Der zweite Patient litt unter Alzheimer in einem stark fortgeschrittenen Stadium. Seine Frau konnte als Begleitperson mit dem Patienten im Krankenzimmer übernachten. Dies gab ihm die nötige Sicherheit“, erinnert sich Schudlich. „Ohne diese Kooperation hätten beide Patienten nicht behandelt und die Zähne nicht erhalten werden können“, so der Zahnarzt.

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