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Immuntherapie bremst Krebserkrankungen auch im Marien Hospital Herne aus

St. Elisabeth Gruppe GmbH am 14.01.19

Prof. Dr. Dirk Strumberg, Direktor der Medizinischen Klinik III – Hämatologie und Onkologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, erklärt zusammen mit der Leitenden Oberärztin Dr. Beate Schultheis, was sich hinter der Immuntherapie verbirgt.

Mit Vollgas gegen den Krebs – so könnte man das Forschungsergebnis der Medizin-Nobelpreisträger James Allison und Tasuku Honjo beschreiben. Denn sie haben herausgefunden, dass spezielle Proteine das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs ausbremsen. Die daraus entwickelte Immuntherapie löst diese Bremsen und wird seit 2010 auch in der Medizinischen Klinik III – Hämatologie und Onkologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum und von den niedergelassenen Onkologen der verschiedenen Krebszentren der St. Elisabeth Gruppe angewendet. Klinikdirektor Prof. Dr. Dirk Strumberg und Dr. Beate Schultheis, Leitende Oberärztin, erklären, was sich hinter der Therapiemethode verbirgt.
Die preisgekrönte Arbeit der Immunforscher Allison und Honjo hat nicht nur wichtige Erkenntnisse zur körpereigenen Tumorabwehr geliefert, sie hat auch zu innovativen Fortschritten in der Krebsbehandlung geführt. Die daraus entwickelte Therapie löst sozusagen die Bremsen des Immunsystems, wodurch die Krebszellen mittels körpereigener Abwehr bekämpft werden können. Aber wie genau funktioniert das?

Immunabwehrkräfte stärken

„Wenn sich Krankheitserreger in der Blutbahn befinden, werden sie in der Regel von weißen Blutkörperchen, sogenannten Wächter- oder T-Zellen, erkannt, die dann das Immunsystem alarmieren, damit es Antikörper gegen die Eindringlinge bildet. Diese verhindern die Vermehrung der Erreger und zerstören sie“, so Prof. Strumberg. „Sogenannte Inhibitoren, also bremsende Proteine, regulieren jedoch die Stärke der Immunabwehr, was dazu führt, dass das Immunsystem die Krebszellen nicht mit Vollgas bekämpfen kann“, berichtet die Leitende Oberärztin Dr. Schultheis. Die Idee der Nobelpreisträger war es also, diese Bremsen zu lösen und damit die hemmenden Proteine auszuschalten. Das gelingt heute mit Medikamenten, die im Rahmen der Immuntherapie eingesetzt werden.

Gezielt gegen verschiedene Tumorzellen

Im Vergleich zur klassischen Chemotherapie, die auch gesunde Zellen angreift, sind die neuen Immuntherapien keine unspezifischen Zellgifte, sondern Bremsenlöser. Damit soll es den körpereigenen Abwehrzellen (in diesem Fall den sogenannten T-Lymphozyten) gelingen, Tumorzellen als fremd zu erkennen und abzutöten. So kamen diese Therapien zunächst bei Krebserkrankungen zum Einsatz, bei denen die klassische Chemotherapie kaum Erfolge gezeigt hatte, wie zum Beispiel beim schwarzen Hautkrebs oder dem bösartigen Nierentumor. Inzwischen sind sie auch bei vielen anderen Tumorerkrankungen zugelassen, so zum Beispiel beim Lungenkrebs, Blasenkrebs oder bei Kopf-Hals-Tumoren. „Als Universitätsklinik hatten wir besonders früh die Möglichkeit, Patienten, für die es keine andere Behandlungsoption gab, mit in Studien einzubeziehen. Bereits seit 2010 setzen wir daher diese Therapieform regelmäßig ein“, so Klinikdirektor Strumberg. „Zu beobachten ist, dass manche Tumorarten besser auf die Immuntherapie ansprechen. Die Gründe hierfür sind allerdings nur teilweise bekannt, dies ist Gegenstand laufender Forschung“, fügt die Leitende Oberärztin hinzu.

Langzeittherapie

Die Behandlung mit der Immuntherapie ist in der Regel gut verträglich, die klassischen Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Übelkeit oder Haarausfall treten nicht auf. „Die Behandlung bedeutet für diejenigen Patienten, die auf die Therapie ansprechen, oft eine Verlängerung ihrer Lebenszeit bei gleichzeitig guter Lebensqualität. Der Vorteil ist außerdem, dass sie über lange Zeiträume verabreicht werden kann, sofern dies erforderlich ist“, so Prof. Strumberg. „Leider wirkt die Therapie aber nicht bei allen Patienten. Dies liegt oft daran, dass es für die Immunpräparate nicht genügend Angriffspunkte auf den Tumorzellen gibt“, berichtet der Klinikdirektor. „Darüber hinaus kann die Therapie zu ganz unterschiedlichen Nebenwirkungen führen, bei denen grundsätzlich jedes Organ betroffen sein kann. So zeigen sich ganz vielfältige Symptome, die von trockenen Schleimhäuten über Muskel- und Gelenkbeschwerden bis hin zu Gefäßentzündungen reichen. Hier ist onkologische Erfahrung gefragt, um die Symptomatik des Patienten korrekt zu interpretieren“, weiß Dr. Schultheis.

Forschung für Spitzenmedizin

Die Ergebnisse der Nobelpreisträger zeigen, wie wichtig Forschungsarbeit für medizinische Fortschritte ist. Aus diesem Grund beteiligt sich das Marien Hospital Herne an aktuellen nationalen und internationalen Forschungsgruppen zur Weiterentwicklung und Optimierung von neuen therapeutischen Verfahren, auch im Rahmen der Immuntherapie. „Wann immer dies möglich und für die Patienten die beste Therapieoption ist, versuchen wir, sie in laufende klinische Studien einzubringen, um ihnen einen möglichen neuen Therapiestandard bereits vor dessen Zulassung zugänglich zu machen“, so Prof. Strumberg.

So wurde erst kürzlich eine Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie zur Behandlung von Lungenkrebs zugelassen und auch bereits erfolgreich im Marien Hospital Herne eingesetzt. „Die Etablierung von neuen Therapieformen und von neuen Therapiekombinationen ist im Marien Hospital Herne alltäglich, wir bieten den Patienten damit Zugang zu den modernsten therapeutischen Verfahren.“

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