Wir können Gesundheit

Teamplayer, Netzwerker der Gesundheitswirtschaft und Visionär mit Bodenhaftung

Institut Arbeit und Technik verabschiedet seinen Geschäftsführenden Direktor Prof. Dr. Josef Hilbert

Westfälische Hochschule am 21.02.20

Nach über 30 Jahren Tätigkeit am IAT verabschiedet sich Prof. Dr. Josef Hilbert in den Ruhestand.
Foto: IAT/Peter Braczko

Auf über 30 Jahre Tätigkeit am Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) blickt der Soziologe und Gesundheitsökonom Prof. Dr. Josef Hilbert zurück, wenn er sich am 28. Februar 2020 in den Ruhestand verabschiedet. Hilbert baute am IAT den Forschungsschwerpunkt „Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität“ auf und leitete das Institut seit 2011 als geschäftsführender Direktor. Sein Team organisiert zum Abschied eine Fachtagung, die Kernthemen seiner Arbeit in den Mittelpunkt stellt. Hochkarätige Referent*innen und langjährige Wegbegleiter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik tragen zum Programm bei.

Hilbert ist Honorarprofessor an der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum und Mitglied im Vorstand der MedEcon Ruhr, der Gesundheitswirtschaftsinitiative der Metropole Ruhr. Er gehört zu den Gründern und ist Vorstandsvorsitzender des Netzwerks Deutsche Gesundheitsregionen (NDGR e.V.). Stationen seines Berufswegs führten von der Universität Bielefeld über das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin und die Gesamthochschule Paderborn an die Ruhr-Universität Bochum. Anfang 2003 habilitierte er an der Universität Duisburg-Essen in „Berufsbildungsforschung“; 2007 habilitierte er sich an der Ruhr-Universität Bochum im Fachgebiet Gesundheitsökonomie und lehrt dort seitdem an den Fakultäten für Medizin und Sozialwissenschaft.

Seine Kolleg*innen und Kooperationspartner*innen schätzen ihn als Teamplayer, der aus konstruktiver Zusammenarbeit Gewinn und Inspiration zieht. Oft verblüfft Hilbert damit, dass er die Entwicklungsdynamik von wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungs- und Gestaltungsprozessen vorausahnt. Wichtig war ihm immer, dass seine Arbeiten im ‚wahren Leben‘ auf Interesse stießen und er hoffen konnte, dass sie Wirkung hinterlassen. Am IAT mit seiner Ausrichtung auf die grundlagenbasierte Anwendungsforschung war er damit bestens aufgehoben.

Inhaltliche Akzente setzte der Wissenschaftler u.a. mit seinen Arbeiten zur Berufsbildungspolitik und einem neuen „korporatistischen Ansatz“ zum Berufsbildungsgeschehen in den Gesundheitsberufen. Für die regionale Innovations- und Strukturpolitik waren Veröffentlichungen zur Frage: „Können Konkurrenten Partner werden?“ wegweisend. Die Ergebnisse flossen ein in die Gründung von Gesundheitsregionen deutschlandweit. Unter dem Stichwort „Das Virtuelle Altenheim“ starteten bereits Mitte der 90-er Jahre Forschungsprojekte zur Nutzung der Digitalisierung für gute Arbeit und bessere Qualität in der Pflege. „Den Staat neu denken“ lautete 1995 der Titel eines von ihm mitherausgegebenen Buches, in dem der „Aktivierende Staat“ umrissen wurde. Dieses staatstheoretische Konzept wurde in vielen Kontexten – von der Verwaltungsmodernisierung über die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik bis zu Kulturpolitik – aufgegriffen.

Seit der Jahrtausendwende legte Hilbert den Fokus auf die Entwicklung der Dienstleistungswirtschaft, insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Soziales. Am IAT stellte er die Weichen für künftige Entwicklungen: Heute arbeiten seine Kolleg*innen im IAT-Forschungsschwerpunkt Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität in nationalen wie internationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekten für digital gestützte Versorgungslösungen bei Diabetes oder Herzinsuffizienz und für gesundes und aktives Alter(n). Der neu gegründete IAT-Forschungsschwerpunkt Arbeit und Wandel setzt neue Akzente für eine veränderte Arbeitspolitik im Gesundheits- und Sozialsektor: Die Instrumente der Mitbestimmung und Mitgestaltung und damit die Potentiale der Beschäftigten lassen sich als Erneuerungs- und Zukunftsressourcen nutzen – zum einen, um die Qualität, Wirtschaftlichkeit und Sozial- und Umweltverträglichkeit zu verbessern, zum anderen um die Arbeitsplätze aufzuwerten und attraktiver zu machen. Für Hilbert „eine Überlebensfrage für die alternde Gesellschaft und – neben der Lösung der ökologischen Herausforderungen – eine der ganz großen Zukunftschancen für eine nachhaltige Wirtschaft!“

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