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Schlaganfall: Angst vor Corona führt zu gefährlicher Vorsicht

Bei Schlaganfallverdacht trotz Pandemie sofort in die Klinik

radprax – Gesellschaft für Medizinische Versorgungszentren mbH am 15.04.20


Wer Verdacht auf einen Schlaganfall hat, muss sofort in die Klinik, das weiß jeder – eigentlich. Weil in Zeiten der Corona-Pandemie viele Menschen zögern, könnte die Hilfe von Notfallmedizinern und Neurologen oft zu spät kommen. „Time is brain“ lautet nicht umsonst ein wichtiger Merksatz zum Schlaganfall – jede Minute, die ohne Behandlung verstreicht, kann Patienten wichtige Hirnfunktionen kosten. „Bleibende Behinderungen oder sogar der Tod der Betroffenen können die Folge sein“, warnt Dr. Hannes Nordmeyer, Leitender Arzt für interventionelle Radiologie und Neuroradiologie bei radprax sowie Leiter der neurointerventionellen Abteilung der St. Lukas Klinik Solingen, und ergänzt: „Aus Angst vor einer COVID-19-Infektion versuchen viele Menschen, den Weg ins Krankenhaus zu vermeiden. Weil aber bei einem Schlaganfall jeder Moment zählt, kann dieses Verhalten dauerhafte Schäden nach sich ziehen.“

Ansteckungsrisiko in Kliniken gering

Ohnehin ist die Hemmschwelle, sich zur Behandlung in eine Klinik zu begeben, oft hoch. „Gerade Schlaganfallpatienten gehen häufig zu spät ins Krankenhaus, da hier im Unterschied zu vielen anderen Erkrankungen meist keine Schmerzen auftreten“, so Dr. Nordmeyer. Diese Tendenz werde angesichts der aktuellen Pandemie wahrscheinlich noch deutlich verstärkt – mit gefährlichen Konsequenzen. Zwar sei es grundsätzlich sinnvoll, mit umsichtigem Verhalten das eigene Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Im Ernstfall sollte deshalb aber nicht auf dringend benötigte Hilfe verzichtet werden. Die Angst, sich in der Klinik mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu infizieren, sei ohnehin fast immer unbegründet, betont der Experte: „Entgegen der verbreiteten Ansicht setzt man sich in der Krankenhausumgebung keiner erhöhten Gefahr aus, da alle Beteiligten noch viel mehr als sonst auf die Verhinderung von Infektionen bedacht sind.“ So gehört es zur Standardprozedur, Patienten bereits im Rettungswagen auf dem Weg in die Klinik auf verdächtige Symptome zu untersuchen. Weist etwas auf eine Infektion der oberen Atemwege oder der Lunge hin, wird dieser Patient auf einer Isolierstation in gesonderten Räumen behandelt. So werden andere Patienten und das Klinikpersonal wirksam vor einer Ansteckung geschützt.

Einbruch bei Thrombektomie-Eingriffen

Im Rahmen der COVID-19-Pandemie wurden sämtliche elektiven Eingriffe bis auf Weiteres verschoben. Aber auch die Zahl der neurologischen Notfallbehandlungen in seiner Abteilung ist seit Mitte März 2020 um etwa die Hälfte gesunken, weiß Nordmeyer zu berichten. Mechanische Thrombektomien – ein häufiger Eingriff bei Schlaganfall-Patienten – wurden seit der ausgerufenen Kontaktsperre nur noch sehr vereinzelt durchgeführt. Wie sehr sich die Corona-Krise auf die klinischen Routineabläufe auswirkt, zeigt auch eine Umfrage der Europäischen Neuroradiologen-Fachgesellschaft ESMINT: So berichten einige Befragte von durchbrochenen Lieferketten. Materialengpässe bei Mikrodrähten sorgen beispielsweise dafür, dass bestimmte Eingriffe in Hirnarterien derzeit nicht durchgeführt werden können. „Bei uns ist das aktuell nicht der Fall“, so Dr. Nordmeyer: „Unser Materiallager ist voll, jeder Patient kann behandelt werden – und sollte das im Ernstfall auch.“

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