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Wenn Praxis vor Theorie kommt und die Ausbildung digital wird

Corona-Virus verhindert Präsenzunterricht angehender Pflegekräfte – deshalb starten sie bei den Knappschaft Kliniken direkt auf der Station und online

Klinikum Westfalen – Knappschaftskrankenhaus Dortmund am 27.04.20

Der 21-jährige Laith Alghajar aus Dortmund: Höhere Motivation durch Umgang mit Patienten.

Anpassungsfähigkeit und Innovationsgeist sind für Ausbildungseinrichtungen in der Pflege ohnehin unerlässlich – die Corona-Pandemie aber hat die Knappschaft Kliniken kurzfristig zum radikalen Umbau des Curriculums gezwungen. Mehr als 100 angehende Pflegefachfrauen und -männer helfen jetzt schon auf den Stationen und lernen digital, statt in der Schule zu sitzen.

Der Lehrplan war ohnehin schon neu. Denn seit dem 1. Januar ist die Ausbildung generalistisch und hat die die klassische Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung abgelöst. Der demographische Wandel und die damit veränderten Anforderungen an das professionelle Pflegepersonal verändern sich. Die Ausbildung fokussiert sich daher auf die Pflege aller Altersgruppen und führt die zuvor existierenden Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zusammen.

Ausbildungsstart bei den Knappschaft Kliniken war der 1. April, aber am 16. März schlossen wegen der Corona-Pandemie zwangweise alle Schulen. „Den Gedanken, die Schülerinnen und Schüler zunächst verbundweit zu Hause zu lassen, haben wir schnell verworfen. Wir haben uns lieber darauf konzentriert, wie wir sie gut in die Praxis starten lassen können, ohne theoretische Inhalte zu vernachlässigen“, sagt Matthias Dieckerhoff, Pflegedirektor der Knappschaft Kliniken GmbH.

Die Leitung der Pflegeschule am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, die auch für das Klinikum Westfalen ausbildet, rief als erstes jeden Auszubildenden einzeln an, um persönlich zu besprechen, was sich ändert – und auch, um mögliche Ängste und Sorgen zu nehmen. Manche Eltern hatten zunächst Bedenken, ihre Kinder in Corona-Zeiten direkt auf der Station arbeiten zu lassen. „Unter den aktuellen Bedingungen der Krisen-Situation und dem zeitlichen Druck, kann ich sagen, dass das ein gelungener Ausbildungsstart war. Wir hatten dabei immer sowohl die Sicherheit der Auszubildenden als auch die der Stationsmitarbeiter und der Patienten im Fokus“, betont Schulleiterin Linda Jannett.

Sara Louchiri (22) aus Hagen ist eine der neuen Pflegeschülerinnen. Sie sagt: „Zurzeit muss man sich und andere schützen und sich an die Hygiene-Regeln halten. Wenn man das aber tut, ist man auf der sicheren Seite. Wir Azubis sind doppelt geschützt, denn wir kommen weder direkt noch indirekt mit Corona-Patienten in Kontakt. Wir unterstützen die examinierten Pflegekräfte, indem wir Vitalwerte messen, Betten beziehen oder den Patienten bei der Körperpflege helfen.“

Und die ebenso wichtige Theorie? „Innerhalb von drei Tagen waren wir komplett digital. Das bedeutet, dass die neuen Auszubildenden nicht frontal unterrichtet werden, sondern eine Lernbegleitung und eine Praxisanleitung erhalten“, erklärt Schulleiterin Lina Jannett. Außerdem besuchen die Lehrerinnen und Lehrer die Auszubildenden auf der Station, vergewissern sich, dass es ihnen gut geht und eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis erfolgt. Die Praxisanleitung auf Station übernehmen die examinierten Pflegekräfte, die den Azubis Abläufe und Handgriffe konkret erklären.
Diese Mischung weiß Schüler Laith Alghajar (21) aus Dortmund sehr zu schätzen: „Mich hat es mehr motiviert, dass wir direkt mit den Patienten in Kontakt kommen. So können wir die Kollegen unterstützen.“

Die Knappschaft Kliniken GmbH steuert die sieben Krankenhausverbünde, an denen die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (DRV KBS) zu mindestens 50 Prozent beteiligt ist. Im Verbund aller Knappschaftskliniken werden jährlich fast 680.000 Patientinnen und Patienten versorgt. Dadurch entsteht ein Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Als Tochtergesellschaft der DRV KBS ist die Knappschaft Kliniken GmbH Teil eines einzigartigen Verbundsystems. Zu diesem gehören neben der Minijob-Zentrale auch die Rentenversicherung, die Renten-Zusatzversicherung, die Kranken- und Pflegeversicherung KNAPPSCHAFT, die Seemannskasse und ein eigenes medizinisches Kompetenznetz.

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