Wir können Gesundheit

Abschlussbericht zur Hebammenversorgung in NRW ist online

Hochschule für Gesundheit am 10.12.20

Der Abschlussbericht zum Projekt HebAB.NRW ‘Geburtshilfliche Versorgung durch Hebammen in Nordrhein-Westfalen‘ wurde fertiggestellt und ist nun auf der Website des Forschungsschwerpunktes ‚Midwifery & Reproductive Health‘ des Instituts für Angewandte Gesundheitsforschung (IAG) der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) verfügbar.

Hebammenwissenschaftlerin Prof. Dr. Rainhild Schäfers empfiehlt akute Unterstützung sowie mittel- und langfristige Strategien. Foto: hsg Bochum

„Bei unseren Empfehlungen war uns wichtig, dass die geburtshilfliche Versorgung an vielen Stellen akute Unterstützung benötigt, aber auch mittel- und langfristige Strategien entwickelt werden müssen, um eine lückenlose Versorgung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen zu gewährleisten“, erklärte Professorin Dr.in Rainhild Schäfers, die das HebAB.NRW-Teilprojekt Mütterbefragung geleitet hat.

Die ersten Forschungsergebnisse hatten die Wissenschaftlerinnen bereits am 20. November 2019 anlässlich eines öffentlichen Symposiums vorgestellt und mit Vertreter*innen der Politik, des Gesundheitswesens, der Bundeselterninitiative Mother Hood sowie den Teilnehmer*innen des Symposiums diskutiert. „Im jetzt veröffentlichten Abschlussbericht stellen wir ausführlich die tiefergehenden Analysen der bisher umfangreichsten Studie zur geburtshilflichen Versorgung in Deutschland dar. Zudem haben wir auf der Grundlage der Ergebnisse Handlungsempfehlungen formuliert und dabei die Diskussionsergebnisse und Empfehlungen des Symposiums mit aufgenommen“, betonte Prof.in Dr.in Nicola Bauer. Sie hatte den Teil Hebammenbefragung im Projekt HebAB.NRW geleitet.

Insgesamt könne durch die parallel durchgeführten Befragungen von 1.924 Hebammen und 1.783 Frauen in NRW ein umfassender Überblick über die Versorgungsleistungen und die Versorgungslücken der geburtshilflichen Versorgung durch Hebammen in NRW gegeben werden, sagte Nicola Bauer.

Rainhild Schäfers resümierte das Projekt: „Es ist wieder einmal deutlich geworden wie wichtig den Frauen eine kontinuierliche und vertrauensvolle Begleitung in dieser Zeit ist. Was wir nun dringend benötigen, sind moderne und innovative Konzepte. Konzepte die gleichsam die Bedürfnisse der Frauen wie auch die die Grenzen der Belastbarkeit von Hebammen im Blick haben.“

In dem Abschlussbericht wird die flächendeckende kommunale Einrichtung und Finanzierung von Hebammenzentralen in NRW empfohlen, um ein niedrigschwelliges Angebot für Schwangere und Wöchnerinnen zu gewährleisten. Zudem könne die Digitalisierung der Hebammenzentralen unterstützt werden, um diese organisatorisch zu entlasten und den Zugang für Hebammen und Frauen zu erleichtern, heißt es im Bericht.

Es ist nach Angaben des Abschlussberichts nicht möglich, die im Beruf aktiven Hebammen – ob klinisch oder außerklinisch – exakt zu beziffern. Verfügbare Zahlen oder Quellen sind unvollständig oder nicht aktuell oder enthielten Doppelungen. Um eine gezielte Bedarfsplanung und Steuerung der Hebammenversorgung zu ermöglichen, ist es sinnvoll, eine gesetzliche Grundlage für die Erfassung regelmäßiger und weiterer Informationen über das Hebammenangebot bei den unteren Gesundheitsbehörden (Gesundheitsämtern) zu schaffen.

Der Bericht gebe einen umfassenden Überblick über die Versorgungsleistungen und -lücken der geburtshilflichen Versorgung durch Hebammen in NRW, sagte Prof. Dr. Nicola Bauer. Foto: hsg Bochum

Bauer: „Der Bericht enthält Vorschläge, wie das Meldeverfahren und die statistische Erfassung von Hebammen in NRW verbessert werden kann.“ So sollte die Registrierung der Berufsangehörigen durch eine Berufskammer für Hebammen selbstverwaltet organisiert werden – analog zu einer Pflegekammer. Die Etablierung einer Hebammenkammer werde laut Bericht den Professionalisierungsprozess des Hebammenberufes neben der Akademisierung fortführen. Nach der erfolgreichen Gründung der Pflegekammer NRW könnte somit ein weiterer Gesundheitsfachberuf in der Selbstverwaltung gestärkt werden. Das Bundesland NRW könnte als erstes Bundesland in einem Modellvorhaben die Einführung einer Hebammenkammer erproben und evaluieren.

„Die Erhebung im Projekt HebAB.NRW hat gezeigt, dass wir bereits heute einen Mangel an Hebammen in NRW erkennen. Wenn wir die Anzahl von aktuell insgesamt circa 260 bis 280 existierenden Ausbildungs- und Studienplätzen zugrunde legen, dann erscheint uns die Zahl von 300 geplanten Studienplätzen zu gering“, erklärte Nicola Bauer.

Die Studie ‚HebAB.NRW‘ wurde vom Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW) gefördert (Förderkennzeichen LZG TG 72 001/2016).

Der Abschlussbericht sowie der Anlagenband sind hier abrufbar.

Empfohlene Zitation: Bauer, N.H., Villmar, A., Peters, M. & Schäfers, R. (2020). HebAB.NRW – Forschungsprojekt „Geburtshilfliche Versorgung durch Hebammen in Nordrhein-Westfalen“. Abschlussbericht der Teilprojekte Mütterbefragung und Hebammenbefragung. Hochschule für Gesundheit Bochum.

Kinder- & Jugendmedizin

MedEcon Ruhr © 2021

Wir können Gesundheit
MedEcon Ruhr