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Gemeinsame Wege der CGM und VISUS

VISUS Health IT GmbH am 22.06.21

Die Nachricht kam für viele Akteure in der Gesundheits-IT überraschend: Am 1. Juni 2021 verkündeten die VISUS Health IT GmbH (VISUS) und die CompuGroup Medical (CGM), dass sie die Zukunft der Branche gemeinsam gestalten möchten. Dafür kaufte die CGM 100 Prozent der Anteile der VISUS Health IT GmbH einschließlich ihrer Tochtergesellschaften in Deutschland und der Schweiz. So überraschend die Verlautbarung war, so wohl überlegt und akribisch war die Planung des Zusammenschlusses in den vergangenen Monaten. Von dem Ergebnis der guten Vorarbeit profitieren nun alle Beteiligten maximal: Die Kunden, die Partner und die Mitarbeitenden beider Unternehmen. Im Interview erklären die Geschäftsführer der VISUS Health IT GmbH die Gründe für den Schritt, die künftige Zusammenarbeit mit den Kunden und die gemeinsame Strategie für die Zukunft.

Viele Marktteilnehmer, vor allem die Kunden von VISUS, trauten ihren Augen und Ohren kaum, als der Zusammenschluss bekannt wurde. Dass ein wirtschaftlich erfolgreiches und technisch innovatives Unternehmen wie VISUS von einem der wichtigsten Player der Branche gekauft wird, lag nicht unbedingt auf der Hand. Was war passiert und warum so plötzlich?

Thomas Simon: Dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstand, es handele sich um eine „Ad-hoc Aktion “ ist nicht der Sache selbst, sondern der Gesellschaftsstruktur der CGM zuzuschreiben: Als AG unterliegen wir extrem strengen Verschwiegenheitsregeln, jede Spekulation über einen Zusammenschluss hat potenziell Auswirkungen auf den Börsenkurs. So gern wir schon viel früher mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern gesprochen hätten – es war rechtlich einfach nicht möglich.

Klaus Kleber: Den Schritt haben wir uns gut überlegt. Als Gründer und Geschäftsführer von VISUS haben Jörg Holstein und ich in den vergangenen Jahren schon einige – durchaus lukrative – Angebote für den Kauf des Unternehmens erhalten. Allerdings passte die Kaufmotivation, die zugrundeliegenden Geschäftsmodelle und die Philosophie der Interessenten nicht. Uns war immer klar: Wenn wir verkaufen, dann nur, wenn der VISUS Spirit erhalten bleibt. Und mit ihm unsere Unternehmenswerte, unsere Mission und unsere Vision. Im Klartext heißt das: Wenn wir als VISUS am Standort Bochum, mit allen Mitarbeitenden und Kunden als eigenständige Einheit erhalten bleiben.

Und dann kam die CGM und bekundete Interesse. Ein Unternehmen, das den Gesundheits-IT Markt seit Jahren aktiv prägt, das für alle Sektoren vielfältige Lösungen bietet und gleichzeitig eine extrem agile, innovative und partnerschaftliche Firmenkultur am Wirtschaftsstandort Deutschland pflegt – es wäre fahrlässig gewesen, diese Chance liegenzulassen.

Wird die Bedingung der Eigenständigkeit der VISUS denn tatsächlich erfüllt?

Guido Böttcher: Ja, absolut. Der Firmensitz auf dem Gesundheitscampus in Bochum bleibt nicht nur bestehen, er wird ausgebaut. Ein „Stühlerücken“ wird es nicht geben, alle Kolleginnen und Kollegen arbeiten wie bisher weiter. Auch der Unternehmensauftritt bleibt bestehen, VISUS bleibt orange, JiveX bleibt JiveX. Unsere Kunden werden weiterhin die gewohnten Ansprechpartner haben. Eine weitere Botschaft, die mir sehr wichtig ist: Bei dem VISUS Partnergeschäft – sowohl national als auch international – ändert sich nichts. Wir werden die Zusammenarbeit mit komplementären Unternehmen in Projekten auch weiterhin danach bewerten, welches die beste Lösung für den jeweiligen Kunden ist. Da gibt es keine Denk- oder Handlungsverbote.

Thomas Simon: Ganz im Gegenteil. Die VISUS war für die CGM auch deshalb ein so attraktives Unternehmen, weil das Partnernetzwerk wirklich exzellent ist. Die dafür notwendigen Bedingungen und Strukturen möchten wir lernen und – wo passend – auf das CGM Portfolio anwenden.

Was hat die CGM sonst noch an VISUS gereizt?

Thomas Simon: VISUS hat über die letzten 20 Jahre eine enorme Entwicklung durchlaufen. Die Fähigkeit, Trends zu erkennen, die Entwicklungen des Gesundheitswesens zu erfassen und in Bits und Bytes zu umwandeln, ist einzigartig. Mittlerweile kommt kaum ein Anbieter von Krankenhaus-IT im Daily Doing an VISUS vorbei. Themen wie Datenkonsolidierung mit dem JiveX Healthcare Content Management, die sehr konsequente Verwendung von Standards, der allgegenwärtige Vernetzungsgedanke und der Wille zum Brückenbau in andere Welten mit JiveX Healthcare Connect sind heute ausschlaggebendfür die Versorgungsqualität.

Die CGM ihrerseits hat ebenfalls exzellente Technologien und teilt die Passion für Interoperabilität. Und sie hat etwas, das VISUS nicht hat: Starke Lösungen für alle Sektoren – Krankenhaus, Arzt-, Zahnarzt- und Psychotherapiepraxen, Apotheken usw. Und natürlich die gute Verknüpfung zur Telematikinfrastruktur. Beides passt perfekt zum Vernetzungs- und Patientenstärkungsgedanken von VISUS. Das Zusammenwirken der Portfolios hätte man sich am Reißbrett nicht effizienter ausdenken können.

Inwiefern profitieren VISUS Kunden von der „Hochzeit“?

Guido Bötticher: Thomas hat es schon gesagt: Know-how und Technologie ergänzen sich perfekt. Was wir nicht vergessen dürfen: Der Markt der Gesundheits-IT rotiert in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit. Jedes Unternehmen muss gut achtgeben, dabei nicht aus der Kurve zu fliegen. Und bei allem, was neu auf uns einprasselt, erkennen wir doch einen Trend: Die Technologien müssen ineinandergreifen, Informationen müssen fließen. Krankenhäuser müssen künftig geschlossene Informationskreisläufe bauen, die definierte Schnittstellen für die Kommunikation nach außen haben. Das heißt nicht, dass es wieder in Richtung monolithischer Systeme geht. Im Gegenteil. Es heißt, dass die IT-Lösungen sich untereinander perfekt ergänzen und miteinander interagieren müssen. Systemgrenzen werden verschwinden. Das zeigen nicht zuletzt die Fördertatbestände des KHZG. Dafür sind wir nun gerüstet und wir freuen uns darauf, unsere Kunden künftig noch besser für den wirtschaftlichen Erfolg rüsten zu können.

Klaus Kleber: Ich sehe noch weitere Vorteile, die weniger mit der Technologie als vielmehr mit den Menschen, die mit uns verbunden sind, zu tun haben. Ein Unternehmen, das aus eigener Kraft und gesund auf gut 200 Mitarbeiter gewachsen ist, gelangt unweigerlich an eine Gabelung mit zwei Wegweisern. Der eine zeigt in Richtung „Konservieren“, der andere in Richtung „Transformieren“. Wir haben uns für die Transformation in einen größeren Kontext entschieden, damit sowohl unsere Kunden als auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Chance haben, sich weiterzuentwickeln. Damit stellen wir die Weichen dafür, dauerhaft die notwendigen Investitionen für sich weltweit stetig verändernde Gesundheitssysteme tätigen zu können. Ich bin überzeugt dem richtigen Weg zu folgen. Dieser wird an einigen Stellen vielleicht ein bisschen steinig werden, aber er ist keinesfalls eine Sackgasse, sondern führt Richtung Erfolg.

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