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Wenn jede Minute zählt

Gefäßchirurgen des Marien Hospital Herne führen rettende Notoperation durch

St. Elisabeth Gruppe GmbH am 18. Oktober 2023

Ein kurzer unaufmerksamer Moment und plötzlich ist alles anders: Allein 2022 hat es in NRW mehr als 63.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden gegeben. Häufig kommt es vor, dass die Betroffenen mehrere Verletzungen gleichzeitig erleiden. So auch im Fall von Dr. Thomas N. Dem 57-jährigen Bochumer wurde im Juli 2023 als Radfahrer die Vorfahrt von einer Autofahrerin genommen und er wurde frontal von deren Auto erfasst. Neben mehreren Knochenbrüchen trug er auch eine lebensgefährliche Verletzung davon: Seine linke Beinarterie wurde völlig zerfetzt. Das Team der Gefäßchirurgie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum rettete in einer 5-stündigen Notoperation das Bein des Patienten und verhinderten darüber eine Beinamputation.

Priv.-Doz. Dr. Dominic Mühlberger, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie des Marien Hospital Herne, beim Nachsorgetermin zwei Monate später: Das Bein des Patienten verheilt gut und ist bald wieder voll belastbar.
Priv.-Doz. Dr. Dominic Mühlberger, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie des Marien Hospital Herne, beim Nachsorgetermin zwei Monate später: Das Bein des Patienten verheilt gut und ist bald wieder voll belastbar.

Nach dem Unfall wurde Dr. Thomas N. mit dem Rettungswagen in ein Bochumer Krankenhaus eingeliefert. Dort stellten die Ärzte fest, dass sein linkes Bein kalt war. Weitere Untersuchungen zeigten, dass nicht nur sein Knie gebrochen und das Kreuzband gerissen, sondern auch die Beinarterie völlig zerfetzt war. Es herrschte dringender Handlungsbedarf: Innerhalb von 6 Stunden muss in so einem Fall die Durchblutung im Bein wiederhergestellt werden. Passiert das nicht, stirbt das Bein ab und muss abgenommen werden. Hinzu kommt der hohe Blutverlust, der lebensbedrohlich sein kann. Notfälle mit beschädigten Gefäßen kommen nur in 4 – 10 % aller Unfälle vor. Aber sie sind bei diesen die Haupttodesursache. Da das Bochumer Krankenhaus nicht auf solche Fälle spezialisiert ist, wurde Dr. Thomas N. ins Marien Hospital Herne verlegt. Das Team der Klinik für Gefäßchirurgie führte in der Nacht eine 5-stündige Notoperation durch.

Rettende Bypass-Operation

Dafür wurde eine Bypass-OP durchgeführt. „Dabei werden ein gesundes Blutgefäß oder eine Kunststoff-Gefäßprothese zur Überbrückung genutzt, um die Durchblutung des Beins wiederherzustellen. In Herrn N.s Fall wurde ein Kunststoffbypass von einem gesunden Gefäß oberhalb des Knies mit einem gesunden Gefäß unterhalb des Knies angelegt“, erklärt Abdul Rahman Hamad, Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie des Marien Hospital Herne. „Zudem wurde ein großer Bluterguss aufgrund einer Rissquetschwunde entfernt.“

Sind die Muskeln eine Zeitlang nicht durchblutet, schwellen sie stark an, wenn das Blut wieder fließt. Dadurch kommt es zu einem erhöhten Druck im Gewebe, wodurch die Blutversorgung im Bein erneut beeinträchtigt werden kann. Dies wird auch Kompartment-Syndrom benannt. Damit dies bei Dr. Thomas N. nicht passiert, waren zudem zwei 15 cm lange Hautschnitte an beiden Seiten des Beins nötig.

Erfahrung zahlt sich im Notfall aus

Bypass-Operationen gehören zu den häufigeren gefäßchirurgischen Eingriffen. Sie sind zum Beispiel oft bei der Schaufensterkrankheit (pAVK) oder anderen Gefäßverengungen nötig. „Wir führen in der Klinik häufig geplante Bypass-Operationen durch“, erzählt Priv.-Doz. Dr. Dominic Mühlberger, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie des Marien Hospital Herne. „Allerdings ist in solchen Fällen die Arterie in der Regel nicht durch einen Unfall zerstört. Zusätzlich ist das Spiel gegen die Zeit bei einer Not-OP eine Herausforderung. Aus ärztlicher Sicht sind die geplanten Eingriffe gleichzeitig ein Training für diese Notfälle, bei denen es schnell gehen muss“, betont der erfahrene Arzt. Der Patient – sein Leben lang ein passionierter Sportler – ist dem gefäßchirurgischen Team des Marien Hospital Herne sehr dankbar: „Dr. Mühlberger und sein Team haben mein Bein gerettet.“

Enge gruppenübergreifende Zusammenarbeit

Nach der Operation musste Dr. Thomas N. zunächst mehrere Tage auf der Intensivstation verbringen. Dann stand die Behandlung seiner weiteren Verletzungen an. Im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe am Standort Marien Hospital Witten wurden sein Kreuzbandriss und sein gebrochenes Knie behandelt. Nach mehr als 3 Wochen konnte er die ersten Gehversuche unternehmen – ein Meilenstein für den Patienten. Bis zu seiner vollständigen Genesung ist es ein langer Prozess, bei dem ihn Ärzte, Pfleger, Physiotherapeuten und Psychologen der St. Elisabeth Gruppe tatkräftig unterstützen. „Ich fühle mich bei dem gesamten Genesungsprozess gut betreut. Das Team um Dr. Mühlberger und auch das Pflegepersonal auf der Intensiv- und der Normalstation haben eine super Arbeit geleistet. Ich habe ein festes Ziel vor Augen: Trotz der gerissenen Kreuzbänder will ich wieder normal laufen können und dann auch wieder sportlich aktiv werden“, berichtet Dr. Thomas N. entschlossen.

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