Wir können Gesundheit

Professur für Globale Kindergesundheit

Ermöglicht durch die Friede Springer Stiftung

Universität Witten/Herdecke am 04.05.18

Prof. Dr. Ralf Weigel wird sich mit Themen wie „Zugang zu Gesundheitsversorgung“ und „Kinderrechten“ in Europa und den sogenannten Entwicklungsländern befassen

Prof. Dr. Ralf Weigel ist auf die „Friede Springer Stiftungsprofessur für Globale Kindergesundheit“ an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) berufen worden. Der 52-Jährige wird für fünf Jahre über die Gesundheitsversorgung, aber auch zu Themen wie ganzheitlichem Wohlergehen von Kindern forschen und lehren. „Der Zugang zu Gesundheitsversorgung ist über den ganzen Globus sehr ungleich verteilt, auch in einzelnen Ländern. Mein Hauptanliegen ist die Frage: Wie kann man das ändern?“, beschreibt er sein Arbeitsgebiet.

„Den Anstoß, eine Stiftungsprofessur für Globale Kindergesundheit zu etablieren, gab ein Antrag des Vorsitzenden der Gesellschaft für Tropenpädiatrie und Internationale Kindergesundheit e.V., Dr. Carsten Krüger, an die Friede Springer Stiftung“, erläutert Prof. Dr. med. Manfred Gahr, Mitglied im Kuratorium der Friede Springer Stiftung, die Vorgeschichte der Professur in Witten. „Er konnte die Gremien der Friede Springer Stiftung davon überzeugen, eine solche Professur zu finanzieren. Die Stifterin ist der Überzeugung, dass diese Professur hervorragend in das Profil der Universität Witten/Herdecke passt und dass auf Grund des vorhandenen Umfeldes dort optimale Arbeitsmöglichkeiten vorliegen“.

Die Universität Witten/Herdecke freut sich, dass ihr Antrag auf diese in Deutschland einmalige Professur von der Friede Springer Stiftung gefördert wird. UW/H-Präsident Prof. Dr. Martin Butzlaff: „Für uns als Universität ist es wichtig, dass unsere Studierenden schon in der Ausbildung lernen, wie unterschiedlich Gesundheitssysteme ausgeprägt sein können. Denn dadurch werden sie ja befähigt, das deutsche System zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.“

Seine zukünftige Forschung möchte Prof. Weigel auf der Ebene der primären Gesundheitsversorgung ansiedeln, auf der fast immer der größte Bedarf besteht und die größte Armut herrscht. In vielen Ländern Afrikas sind es oft sogenannte Community Health Workers, also angelernte Kräfte, die die Versorgung in den Dörfern übernehmen. Europa hat mehr Ärzte, aber auch hier gibt es Defizite in der Versorgung. „Es gibt in allen Ländern Menschen, die benachteiligt sind, und oft sind es auch deren Kinder, die die alte Weisheit ‚arm sein macht krank‘ zu spüren bekommen“, beschreibt er seine Motivation. Dazu ist es für Weigel nicht nur wichtig, Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit zu beschreiben, für ihn ist die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO maßgebend, die als Ziel das ganzheitliche Wohlergehen festschreibt. „Als Kind nur zu überleben kann ja nicht schon alles sein. Wie unterstützen Familie und Gesellschaft ringsherum, dass es auch liebevoll aufwächst, gedeiht und einen guten Start in das Erwachsenenleben bekommt? Also sind neben medizinischen vor allem auch soziale und gesellschaftliche Faktoren für meine Arbeit wichtig.“ So leben in vielen Ländern Kinder ohne Geburtsurkunde, sind ohne Identität und dadurch großen Risiken ausgesetzt.

Und auch für die Lehre hat Weigel schon Vorstellungen, was er in Witten anbieten möchte: „Ich weiß, dass es hier eine Reihe studentischer Initiativen auch und gerade im Gesundheitsbereich gibt. Ich möchte mit meiner Arbeit dafür sorgen, dass Studierende diese hohe Bereitschaft zum Helfen weiter entwickeln. Dabei sollen sie aber auch die Fragen nach der Nachhaltigkeit eines Engagements nicht aus dem Auge verlieren. Ich habe in meiner eigenen Auslandsarbeit Kollegen gesehen, die alle Kraft für die individuelle Versorgung ihrer Patienten einsetzten. Nach der Rückkehr in ihre Heimatländer hatte sich jedoch strukturell kaum etwas verändert.“

Während seiner Facharztausbildung für Kinderheilkunde an der Charité Berlin arbeitete Weigel in der HIV-Kinderambulanz und absolvierte kurze Auslandsaufenthalte in Indien und Nigeria. Diese weckten seine Leidenschaft: 2002 begab er sich für acht Jahre nach Malawi im Süden Afrikas. Hier war er sowohl als Arzt als auch als Berater im Auftrag des malawischen Gesundheitsministeriums auf beiden Seiten tätig. „Das eine ist es, ein einsatzbereiter Arzt zu sein und einen guten Kontakt zu den Patienten aufzubauen. Das andere, im Kontext globaler Empfehlungen die eigene Arbeit zu dokumentieren und zu evaluieren, um Lücken zu erkennen und so Verbesserungen zu ermöglichen“, blickt er auf diese Zeit zurück. Zuletzt hat Weigel an der Liverpool School of Tropical Medicine als Dozent zwei Postgraduierten-Programme betreut. Hier vermittelte er jungen Ärztinnen und Ärzten, wie sie ihre Arbeit an internationalen Leitlinien ausrichten und das Gesundheitssystem ihrer Länder stärken können.

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