Raus aus dem Hype – Rein in die Klinik: KI in der Medizintechnik
FUTURELAB HUMAINE x neuroMIT
Egal wo, überall- ob in den Medien oder im Alltag: KI ist in aller Munde und die große Revolution insbesondere in der Medizin lässt noch auf sich warten. Genau hier setzte unsere gemeinsame Veranstaltung der neuroMIT-Plattform und HUMAINE an. Ziel war es, Perspektiven aus Forschung, Industrie und Klinik zusammenzubringen und den Brückenschlag vom KI-Hype zur Umsetzung als Medizinprodukt zu diskutieren.
Raus aus dem Hype
Den ersten Impuls setzte Prof. Dr. Jörg Wellmer von den Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum. Dabei bringt er als Leitender Arzt der Ruhr-Epileptologie die Bedarfe aus der Patientenversorgung ein und greift diese für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in seinem Fachbereich auf . Vor diesem Hintergrund hat er einen Einblick in seine aktuellen Projekte mit Künstlicher Intelligenz in der Klinik gegeben. Hervorgehoben hat er dabei eins der Modellvorhaben „KITE“, das im Rahmen der neuroMIT-Plattform initiiert wurde. Bei dem Vorhaben soll eine KI -assistierte Detektion tiefliegender Hirnfunktionsstörungen im Elektroenzephalogramm (EEG) ermöglicht werden: die dazu erforderlichen Daten sind in den letzten Jahren bei der Versorgung von Epilepsiepatienten gesammelt worden. Dieser Datenschatz kann nun genutzt werden, um mit Hilfe intelligenter Algorithmen bislang verborgene Muster im Oberflächen-EEG zu erkennen und somit neue diagnostische Möglichkeiten eröffnen.
Wie ein solcher Weg aus der Forschung bis zum marktfähigen Produkt konkret aussehen kann, zeigte Julia de Jong anhand von konkreten Software-Lösungen der Firma Gleamer. Das Unternehmen bietet KI-basierte Lösungen zur radiologischen Befundung an, die sich bereits im klinischen Einsatz befinden und auch über den KI-Marktplatz von connect MT, unserer Tochtergesellschaft MedEcon Telemedizin GmbH, verfügbar sind. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen betonte Frau de Jong den klinischen Nutzen für eine verbesserte Patientenversorgung durch eine Effizienzsteigerung der Workflows im Klinikalltag.
Rein in die Klinik
Wie sich KI im Alltag einer Klinik tatsächlich bewährt, schilderte Prof. Dr. Carsten Lukas, Chefarzt der Neuroradiologie am Katholischen Klinikum Bochum. Anhand konkreter Anwendungsbeispiele warf er einen kritischen Blick auf Chancen, Grenzen und den tatsächlichen Nutzen intelligenter Systeme im Routinebetrieb. Bei seinem Vortrag standen dabei auch praxisnahe Fragen: bei welchen Diagnosen und Therapien profitiert man tatsächlich von KI? Und wie beeinflussen die automatisierten Lösungen auch den Workflow des Radiologen und wie werden die Softwarelösungen im klinischen Kontext implementiert und aktuell gehalten? Diese Fragen wurden in die anschließende Diskussionsrunde überführt.
Rein in die Diskussion
Dr. Christoph Monfeld (MedEcon Ruhr) moderierte die anschließende Experten-Diskussionsrunde, welche durch einen weiteren Gast, Prof. Dr. Stefan Dowiasch vervollständigt wurde. Er ist Vertretungsprofessor an der Hochschule Bochum am Standort Gesundheitscampus Bochum für Medizinprodukte und -technologien. Er brachte die regulatorische Perspektive ein, ein oft unbeliebter, aber entscheidender Faktor für die langfristige Integration von KI in den Gesundheitssektor.
In der Diskussionsrunde wurde deutlich: Für den Erfolg von KI in der Medizin braucht es mehr als reine Softwareentwicklung. Wichtig ist das Zusammenspiel zwischen allen Akteuren: So sind beispielsweise klinische Daten der zentrale Baustein, sowohl zur Entwicklung, zum Betreiben und zum Optimieren von KI-basierten Medizinprodukten. Auch in der Marktnachbeobachtung, der sogenannten Post-Market Surveillance zur Überprüfung und Validierung von Medizinprodukten am europäischen Markt, sind diese ein wichtiger Bestandteil. Und dazu möchte die neuroMIT-Plattform beitragen und dabei unterstützen, Strukturen für die Zusammenarbeit und Nutzbarmachung klinischer Daten zu schaffen. Das Programm und vor allem das anschließende Netzwerken legten dazu einen wichtigen Grundstein für den notwendigen Austausch und den Abgleich der jeweiligen Perspektiven: Rein in die Umsetzung.