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Forschungspreis für Bochumer Neurowissenschaftlerin

Dr. Melissa Sgodzai erhält internationalen SPIN Award

Kath. Klinikum Bochum gGmbH - Universitätsklinikum der RUB am 25. Juni 2026

Große Anerkennung für die neuroimmunologische Forschung am Katholischen Klinikum Bochum: Dr. Melissa Sgodzai, Biologin, Neurowissenschaftlerin und Nachwuchsgruppenleiterin der Arbeitsgruppe für periphere Neuropathien am Forschungszentrum für Neuroimmunologie der Klinik für Neurologie des St. Josef-Hospitals, ist mit dem renommierten SPIN Award des internationalen Gesundheitsunternehmens Grifols ausgezeichnet worden.

Der Preis („Scientific Progress – Immunoglobulins in Neurology“) wird seit vielen Jahren an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, die mit innovativen Forschungsansätzen neue Perspektiven für die Behandlung neurologischer Autoimmunerkrankungen eröffnen.

Dr. Melissa Sgodzai und Prof. Ralf Gold, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie am St. Josef-Hospital Bochum

Im Mittelpunkt der ausgezeichneten Arbeit steht die chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP), eine seltene, aber schwerwiegende autoimmune Erkrankung des peripheren Nervensystems die mit der Alterspyramide immer mehr steigt: v.a. Männer zwischen 55 und 70 Jahren erkranken daran. Dabei greift das körpereigene Immunsystem irrtümlich die schützenden Hüllen der Nervenfasern (Myelin) an. Da die CIDP chronisch ist, können die wiederkehrenden und anhaltenden Angriffe des Immunsystems im Verlauf auch die Nervenfasern selbst, den „Leitungsdraht“ der Nerven, schädigen, wobei eine Erholung der Nervenfunktion durch Wiederauswachsen der Nervenfasern oft nicht gelingt. Die Folge können Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühle an Füßen und Händen, chronische Schmerzen, Muskelschwäche sowie Lähmungserscheinungen sein. In schweren fortschreitenden Verläufen sind Betroffene auf Gehhilfen oder sogar einen Rollstuhl angewiesen.
„Vereinfacht gesagt, funktioniert die körpereigene Immunüberwachung nicht mehr richtig. Die ‚Immun-Polizei‘ verliert ihre Fähigkeit, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, und richtet sich gegen den eigenen Körper“, erläutert Dr. Melissa Sgodzai.

Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen und die Erkrankung tritt meist im höheren Erwachsenenalter auf. Für die Behandlung der CIDP ist es wichtig, die zugrunde liegenden Entzündungsprozesse besser zu verstehen und gezielt beeinflussen zu können. Neben der Erforschung neuer therapeutischer Zielstrukturen ist auch die Entwicklung von sogenannten Biomarkern bedeutend. Biomarker sind messbare Werte im Körper, die anzeigen können, ob eine Therapie den Entzündungsprozess tatsächlich verringert und stabilisiert. Mit der zunehmendem Alterung der Bevölkerung gewinnt die Erforschung der CIDP zusätzlich an Bedeutung.

Behandelt wird die CIDP bislang vor allem mit Immuntherapien, etwa durch hochkonzentrierte Immunglobuline oder andere immunmodulierende Medikamente, die das gestörte Gleichgewicht des Immunsystems wiederherstellen sollen. Dennoch sprechen nicht alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen auf die verfügbaren Therapien an.
Genau hier setzt die Forschung von Dr. Melissa Sgodzai an. Sie untersucht die Rolle des Immun-Checkpoint-Netzwerkes in der CIDP. Diese biologischen Kontrollmechanismen sorgen normalerweise dafür, dass Immunreaktionen nicht überschießend verlaufen und die körpereigene Toleranz erhalten bleibt. Vereinfacht kann man sagen: Das Immun-Checkpoint-Netzwerk funktioniert wie ein Schranken- oder Bremssystem des Immunsystems. Sgodzais Arbeiten zeigen, dass Veränderungen dieses Systems, insbesondere von PD1, ein zentraler „Bremsschalter“, eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf der CIDP spielen. Diese Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Brain“ veröffentlicht.

Langfristiges Ziel ist nun die Entwicklung eines Biomarkersystems auf der Basis der Immun-Checkpoints, die künftig eine individuellere und präzisere Behandlung der CIDP ermöglichen sollen. Dadurch könnte sich frühzeitig vorhersagen lassen, welche Patientinnen und Patienten besonders gut auf bestimmte Therapien ansprechen und bei wem eine intensivere Behandlung notwendig ist. Gleichzeitig eröffnet die Forschung neue Perspektiven für ein besseres Verständnis der Krankheitsursachen. „Wir möchten die Mechanismen verstehen, die hinter dem Verlust der körpereigenen Toleranz stehen. Wenn wir diese Prozesse entschlüsseln, können daraus langfristig neue diagnostische Möglichkeiten und gezieltere Therapien entstehen“, sagt Dr. Melissa Sgodzai.
Die Wissenschaftlerin ist seit 2016 am Katholischen Klinikum Bochum tätig und verfügt inzwischen über rund zehn Jahre Erfahrung in der translationalen Forschung zu Autoimmunerkrankungen des peripheren Nervensystems. Nach ihrer Promotion an der International Graduate School of Neuroscience der Ruhr-Universität Bochum leitet sie seit diesem Jahr als Nachwuchsgruppenleiterin die des peripheren Nervensystems“ unter der wissenschaftlichen Betreuung von Prof. Dr. Ralf Gold und Prof. Dr. Kalliopi Pitarokoili. Ein Forschungsaufenthalt an der Harvard Medical School in Boston gehörte ebenfalls zu ihrer wissenschaftlichen Ausbildung.

Prof. Dr. Ralf Gold, Direktor der Klinik für Neurologie, sieht in der Auszeichnung eine Bestätigung der langjährigen Bochumer Forschungsarbeit: „Der SPIN Award ist eine besondere internationale Anerkennung. Die Auszeichnung von Dr. Melissa Sgodzai unterstreicht neben Ihrer exzellenten Forschungsbegabung die hohe wissenschaftliche Qualität unseres Forschungszentrums für Neuroimmunologie und zeigt, dass aus systematischer Grundlagenforschung konkrete Perspektiven für Patientinnen und Patienten entstehen können.“
Das Forschungszentrum für Neuroimmunologie am St. Josef-Hospital Bochum gehört zu den führenden Einrichtungen auf diesem Gebiet in Europa und verbindet Grundlagenforschung mit klinischer Versorgung und innovativen Therapieansätzen. Arbeitsgruppe „Autoimmunerkrankungen

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