Wir können Gesundheit

Train2hear-Prototyp in Bochum vorgestellt

Hochschule für Gesundheit am 19.02.20

Prof. Dr. Kerstin Bilda stellte die Wünsche der Träger*innen von Cochlea-Implantaten in den Vordergrund. Foto: hsg


Zur Präsentation des Prototypen auf der Abschlussveranstaltung des Forschungsprojektes ‚Train2hear‘ am 14. Februar 2020 kamen rund 70 Personen im Hörsaalzentrum des Katholischen Klinikums Bochum zusammen.

Seit dem Projektstart im März 2017 unter der Konsortialführung von Prof. Dr. Kerstin Bilda, Vize-Präsidentin für den Bereich Forschung an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum), wurde ein teletherapeutisches Hörtraining für Menschen mit einer beginnenden Schwerhörigkeit und für einseitig versorgte Cochlea-Implantat(CI)-Träger*innen entwickelt und erforscht. Dieses Hörtraining ist adaptiv, das bedeutet, dass sich der Schweregrad der Aufgaben automatisch der Leistung des Übenden anpasst.

Das Projekt hat Kerstin Bilda in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Klinikum Bochum (St. Elisabeth-Hospital), der Ruhr-Universität Bochum, der Q2Web GmbH und der Kampmann Hörsysteme GmbH durchgeführt. Es wird bis Ende Februar 2020 über den Leitmarktwettbewerb LifeSciences.NRW (Themenschwerpunkt Medizintechnologie) des Landes NRW mit rund 1,2 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Für Kerstin Bilda stand am Anfang der Überlegungen die Frage, was sich eigentlich Menschen, die ein Cochlea-Implantat (CI) tragen, wünschen. Eine Befragung von 87 Personen habe ergeben, dass 88 Prozent der Befragten ein Interesse an einem Hörtraining zu Hause hatten, berichtete Bilda. Dabei sollten insbesondere reale, alltagsnahe Situationen geübt werden. Eine geräuschvolle Umgebung werde von den Betroffenen als besonders problematisch empfunden.

„Ein Hörtraining sollte therapeutengeführt, anwenderorientiert, individualisiert und evaluiert sein und die Grundsätze der Hör- und Sprachtherapie sowie gängige Lerntheorien berücksichtigen“, nannte Prof. Dr. Christiane Völter vom Hörkompetenzzentrum des Katholischen Klinikums Bochum Basisbausteine für solche Programme. Völter: „Nach unseren bisherigen Erfahrungen können uns wir durchaus vorstellen, dass ein computerbasiertes Hörtraining bei einem Teil der Patienten die Face-to-face-Therapie in einem spezialisierten Zentrum ergänzt oder gar teilweise ersetzen kann. Dabei sollte dieses immer in einem persönlichen Setting vor Ort eingeführt werden. Desweiteren sollte der User die Möglichkeit haben, mit dem Therapeuten engmaschig Kontakt zu halten (so zum Beispiel über eine Videokonferenz) und der Therapeut regelmäßig über den Fortschritt der Therapie des einzelnen Patienten im Bilde sein.“

„Wir müssen Qualitätskriterien für diese Trainings etablieren“, mahnte Kerstin Bilda.

Wie die CI-Träger*innen das Hörtraining erlebt haben, konnten sie auf der Veranstaltung nach den wissenschaftlichen Vorträgen berichten. In den Schilderungen der Nutzer*innen des teletherapeutisches Hörtraining wurde anschaulich, wie hilfreich das Adaptive an dem Programm war, um Unter- und Überforderung oder Langeweile zu vermeiden. „Ich bekam immer mehr Inhalte. Das hat sehr gut funktioniert. Ich bin von Train2hear begeistert“, sagte ein Patient.

Das Programm Train2Hear wurde als Reise von Berlin über Wien, Paris, London zurück nach Berlin entwickelt. An jedem Ort haben die Nutzer*innen Aufgaben zu erfüllen.

„Besonders schwierig ist für mich eine Umgebung wie in einem Café mit Geschirrgeklapper“, berichtete eine Nutzerin, die genau diese Situation in dem Hörtraining üben konnte. „Ich konnte Übungen mit hoher Geräuschkulisse gut zu Hause trainieren und dies dann 1 zu 1 im Alltag übernehmen“, berichtete ein anderer Teilnehmer, dem das regelmäßige Training besonders wichtig erscheint, um besser hören zu können: „Es ist wie ein Körpertraining – man muss im Training bleiben!“ Eine andere Patientin betonte in ihrem Bericht den Vorteil der zeitlichen und räumlichen Flexibilität der häuslichen Teletherapie.

Einen Ausblick auf die künftige Teletherapie gab die Firma Q2Web GmbH, die sich als Projektpartner um die Entwicklung der Software-Lösung gekümmert hatte. Entwicklungen der künstlichen Intelligenz würden auch die Teletherapie bereichern, indem zum Beispiel zusätzliche Audiomaterialien bereitgestellt werden könnten, indem Computerprogramme die Texte akustisch umsetzen und diese nicht mehr von Menschen eingesprochen werden müssten.

Das Forschungsteam stellte den Prototypen für ein häusliches Training vor. Dieses Programm ist noch nicht käuflich zu erwerben. Langfristiges Ziel sei es, dass das Programm von Patient*innen nach einer Rehabilitation genutzt werden kann.

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