Wir können Gesundheit

Informationen über Sprachentwicklungsstörungen

Expertinnen des Studiengangs Logopädie an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) beantworten Fragen zum Thema Sprach- und Kommunikationsauffälligkeiten bei Kindern.

Hochschule für Gesundheit am 15.10.20

Links: Prof. Dr. Andrea Dohmen setzt sich dafür ein, dass Sprachentwicklungsstörungen bekannter werden. Foto: hsg Bochum
Rechts: Silvia Gosewinkel hat ein Erklärvideo zum Thema Sprachentwicklungsstörungen gedreht. Foto: hsg Bochum / Lina Frels

Am 16. Oktober 2020 ist der ‚Internationale Tag der Sprachentwicklungsstörung‘. Prof. Dr. Andrea Dohmen und Silvia Gosewinkel – beide aus dem Studienbereich Logopädie der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) – engagieren sich als Botschafterinnen der internationalen Kampagne ‚Raising Awareness of Developmental Language Disorder‘ (übersetzt etwa ‚Sensibilisierung für Sprachentwicklungsstörungen‘) für eine Verbesserung des Informations- und Beratungsangebotes zum Thema Sprachentwicklungsstörungen und ‚Late Talker‘ (übersetzt ‚späte Sprecher‘).

„Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) ist eine Abweichung von der unauffälligen Sprach- und Kommunikationsentwicklung. Sie geht entweder mit anderen mitverursachenden Beeinträchtigungen zum Beispiel genetischen Erkrankungen oder Hörstörungen einher. Oder sie tritt isoliert ohne eine offensichtlich erkennbare Ursache auf“, erklärt Dr. Andrea Dohmen, Logopädie-Professorin an der hsg Bochum. Am 16. Oktober 2020 beantworten Dohmen und Gosewinkel im Rahmen einer Hotline Fragen zum Thema Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern und den sogenannten ‚Late Talkern‘.

“Kinder, die jünger als drei Jahre sind und ohne ersichtliche Ursache Verzögerungen in der Sprach- und Kommunikationsentwicklung zeigen, nennen wir ‚Late Talker‘. Sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihrer Entwicklung eine Sprachentwicklungsstörung auszubilden. Aber nicht jedes Kind mit einer verzögerten Sprach- und Kommunikationsentwicklung entwickelt auch eine Störung“, erklärt Silvia Gosewinkel. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studienbereich Logopädie an der hsg Bochum.

Obwohl Sprachentwicklungsstörungen zu einer der häufigsten Entwicklungsauffälligkeiten im Kindesalter zählen, sind sie in der Regel weniger bekannt als andere Entwicklungsauffälligkeiten, wie zum Beispiel die Lese-Rechtschreibstörung, berichtet Andrea Dohmen: „Knapp zehn Prozent der Kinder eines Jahrgangs sind von einer Sprachentwicklungsstörung betroffen. Das sind etwa zwei bis drei Kinder in jeder durchschnittlichen Kindergartengruppe oder Schulklasse“.

Dies bestätigen auch die Ergebnisse einer Untersuchung von Caroline Flemmig. Sie hat im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule für Gesundheit Passanten in den Fußgängerzonen der Städte Bochum, Dortmund und Essen über ihr Wissen zum Thema Sprachentwicklungsstörungen befragte. „Die Studentin kommt zu dem Fazit, dass auch im Ruhrgebiet noch ein deutlicher Aufklärungsbedarf über das Thema Sprachentwicklungsstörungen besteht“, fasst Dohmen das Ergebnis zusammen.

So sei es beispielsweise wichtig, jedes Kind mit seinen Sprachauffälligkeiten individuell zu betrachten, sagt sie. „Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung zeigen ganz unterschiedliche Auffälligkeiten. Probleme können in den Bereichen Aussprache, Wortschatz, Grammatik und Kommunikation auftreten und wirken sich sowohl auf das Sprachverständnis als auch die gesprochene Sprache aus“, erklärt Dohmen.

Auch sei es mitunter schwierig, eine Sprachstörung überhaupt zu erkennen, weil die Kinder im Alltag sehr geschickt darin seien, diese zu kompensieren, betont sie: „Während Störungen der Aussprache für das Umfeld gut wahrnehmbar sind, werden insbesondere Störungen des Sprachverständnisses, also des Verständnisses, was Menschen meinen, wenn sie etwas sagen, leichter übersehen und später erkannt“, so die Logopädie-Professorin.

Neben dem mangelnden Wissen über Sprachentwicklungsstörungen gebe es auch Vorurteile über die betroffenen Kinder und deren Eltern, die einer Behandlung des Kindes im Wege stünden, so Dohmen: „Vorurteile wie ‘Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen sind nicht so intelligent‘, ‘die Kinder sprechen schlecht, weil die Eltern sie zu viel fernsehen lassen‘ oder ‘die Kinder sind nur frech und zu faul‘ halten sich hartnäckig, obwohl sie nicht stimmen.“, berichtet sie.

Aus diesem Grund engagieren sich Dohmen und Gosewinkel dafür, das Wissen über die Sprachentwicklungsstörung stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. In Zukunft wollen sie eine ‚Late-Talker-Sprechstunde‘ an der Hochschule für Gesundheit aufbauen, bei der sich (besorgte) Eltern und Betreuungspersonen von Kindern im Alter zwischen zwei und dreieinhalb Jahren über die Sprach- und Kommunikationsentwicklung ihrer Kinder beraten lassen können.

Interessierte können sich zudem das Video ‚Lisa Logopädin erklärt Sprachentwicklung und ihre Störungen‘ von Silvia Gosewinkel ansehen, in dem die virtuelle Therapeutin Lisa leicht verständlich über den Spracherwerb von Kindern und mögliche Störungen informiert (https://www.youtube.com/watch?v=vtCmUgXRVso&t=39s).
Der diesjährige ‚Internationale Tag der Sprachentwicklungsstörung‘ macht mit dem Hashtag #DLDSeeMe im englischsprachigen Raum und dem Slogan ‚#SES – Schau hin!‘ im deutschsprachigen Raum auf die Störung aufmerksam.

Telefonsprechstunde am Internationale Tag der Sprachentwicklungsstörung

Besorgte Eltern, Erzieher*innen und Angehörige können den Mitarbeiterinnen des Studiengangs Logopädie am 16. Oktober 2020 telefonisch zwischen 09.00 -11.00 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr unter der Nummer 0234-77727619 Fragen zur Sprachentwicklung bei Kindern stellen.
Die angehängten Fotos können gern für redaktionelle Zwecke in Verbindung mit den Inhalten der Meldung mit dem angegebenen Credit kostenfrei eingesetzt werden.

Kinder- & Jugendmedizin

MedEcon Ruhr © 2020

Wir können Gesundheit
MedEcon Ruhr